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Fantasy-Geschichte

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Die Geburt von Zwergen und Vampiren

Vor langer Zeit…und wenn ich vor langer Zeit sage, so meine ich eine Zeit vor mehr als 100 000 Jahrtausenden, eine Zeit die weit mehr als eine Ära umschließt, eine zeit die Herrscher, Völker und Welten kommen und gehen gesehen hat. Vor langer Zeit also schwebten die Monde über der Welt. Sie glitten dahin, Jahrtausend für Jahrtausend auf dem immer selben Weg. ein Mond war blass und schön, vollkommen in der Form, anmutig wie ein Engel und rot wie die Träne des Vogels. Der vogel war das einzige Lebewesen auf dieser Welt, das sein Schicksal selbst schmieden konnte und nicht seinen Instinkten erlegen war. Der andere Mond war voll und goldgelb, gelb wie das Gold in den Bergen der Welt und Golden wie das Gefieder des Vogels. Die Vögel auf der Welt waren klug, unendlich klug, aber es war keine Magie in ihnen. Sie waren zahlreich, aber doch immer allein, immer auf der Suche nach einem anderen Volk, einem Verbündeten gegen die Wildheit der Welt. So wendeten sie sich an die Monde. Sie wählten einen Boten aus, einen stolzen Krieger und sendeten ihn mit einem großen Geleit zu den Monden. Denn die Monde hatten eine unglaubliche Magie in sich, sie hatten über die Jahrtausende hinweg alle Magie der Welt in sich gebündelt und gut aufbewahrt und mit ihrer eigenen Macht vermehrt. Nun kam also der Bote der Vögel zu ihnen und sprach mit fester Stimme: „Haltet ein, ihr Herren über die Welt, in eurer Wanderschaft, denn die Welt, derer Herren ihr seid, bittet um eure Hilfe!“ Die Monde hielten inne in ihrer endlosen Bahn am Firmament, denn sie waren gute Herren. Und der Vogel trug sein Begehren vor: „Ihr hohen Herren des Himmels. Wir leben auf der Welt, über die ihr wacht, und wir leben gut. Aber wir sind allein. Obwohl wir zahlreich sind, leben wir einsam auf einer Welt, auf der kein anderes Wesen die Macht und das Wissen hat, sich mit uns zu messen, oder sich gar mit uns zu verbünden. Darum bitten wir euch: Ihr, die ihr die Macht habt, sollt uns einen Gegenpol schaffen, an und mit dem wir uns messen können!“ Die Monde hörten den Vogel an und berieten sich, und es verging ein Jahrzehnt, bevor das Volk der Vögel Antwort bekommen sollte. Dann aber hatten die Monde einen Weg gefunden und riefen den Krieger der Vögel noch einmal zu sich. Sie stellten eine Bedingung: für das Schaffen eines neuen Volkes musste ein Vogel sein Leben geben, um danach in diesen Völkern neu zu erstehen. Das löste bei den Vögeln einen bitteren Streit aus. Denn keiner wollte derjenige sein, der geopfert würde und sooft man einen bestimmte, floh dieser oder drohte, sich mit dem Geist des neuen Volkes gegen die Vögel zu wenden. Schließlich hatte man jeden einmal bestimmt und keiner hatte sich gefunden, die Last auf sich zu nehmen. Da stieg der König selbst von seinem Thron und stieg hinauf zu den Monden. Selbst die Monde wussten nicht um die Folge der Entscheidung des Königs, denn es war die Aufgabe der Vögel, ihr Schicksal zu schmieden und sie kümmerten sich nicht darum. So nahmen sie den König, um aus ihm das neue Volk zu schaffen. Nun aber gerieten die Monde in Streit. Der makellose, blutrote Mond wollte aus den Tränen des Königs ein Volk von unvergleichlich schönen und anmutigen Wesen schaffen, doch mit dem Makel der Blutgier. der Goldgelbe Mond dachte an ein kleines Volk, das Erze schürfen und aus ihnen wunderbarstes Geschmeide herstellen sollte, jedoch nie mit seinen Schätzen zufrieden sein sollte. Der Makellose sah verächtlich auf die Vision des Goldenen herab und spottete: „Ein schönes Volk wird das werden, nie zufrieden mit dem was es hat, immer von Habgier getrieben ein Leben lang!“ Da wurde der Goldene zornig und rief: „Und dein Volk, tränkt bei all seiner Anmut doch die Erde mit Blut und bringt Verderben über alle, die ihm begegnen!“ Das erzürnte den Makellosen noch viel mehr, denn er sah, dass der Goldene im Grunde recht hatte. Doch er wollte nun nicht mehr einlenken und seinem Bruder recht geben sondern schrie: „Und du, willst ein Volk erschaffen, das die Berge zerlöchert, bis die Welt einstürzt und sie vergiftet mit dem elenden Hunger nach Gold?“ Auch der Goldene sah nun deutlich den Fehler seiner Vision, aber nie würde er jetzt dem Makellosen recht geben. Statt einer Antwort spie er seinem Bruder einen gewaltigen Felsbrocken zu, der dem makellosen, perfekten Mond einen Krater schlug. Der heulte auf vor Wut und ließ aus dem Krater einen Strahl seines inneren Feuers frei, der den goldenen, Glänzenden Mond auf einer Seite zum Schmelzen brachte. Der Kampf, der nun folgte, war so gewaltig, dass am Ende beide Monde zerbrachen und in riesigen Brocken auf die Welt fielen. Der König der Vögel flog allein zurück zur Erde und breitete die Flügel über zwei Bruchstücke, von jedem Mond eines, die da am Boden lagen. Er weinte blutrote Tränen und raufte sich seine Goldenen Federn, als er sah, wie die Magie der Monde wie Blut aus ihnen herausfloss und im Boden versank. Und seine Tränen benetzten das Bruchstück des Makellosen Mondes und eine seiner Federn sank auf den Klumpen Gold, der einmal zum Goldenen Mond gehört hatte. Als dies geschah, floss alle Magie, die er verloren geglaubt hatte auf diese beiden Bruchstücke zu. Alle anderen Stücke verblassten, als die Magie sie verließ, aber diese Beiden Strahlten ein Licht aus, heller als jedes andere, dass es jemals in der Geschichte gegeben hat. Ein Sturm erhob sich und wirbelte über das Land, in seinem Zentrum trug er den König der Vögel der noch immer auf den beiden Steinen lag. Aber langsam, sehr langsam versank er in ihnen und eine tiefe Ruhe umfing ihn und nachdem der Sturm zwei Nächte – mondlose Nächte, lang gewütet hatte, ließ er nach und verstummte ganz. Denn der König der Vögel war nun ganz in den beiden Steinen eingeschlossen, eine Hälfte in jedem Stein. Der letzte Windhauch trieb den Blutroten Stein an den Rand eines großen Moores im Südwesten des Kontinents und den Goldenen Stein trug er In den Nordosten, in ein Gebirge und setzte ihn in einem felsigen Tal zwischen zwei monumentalen Bergspitzen ab. Von den Vögeln aber war nichts mehr zu sehen. Das Land war nun ganz und gar wild, und kein Volk war mehr da, das fähig gewesen wäre, sein eigenes Schicksal zu schmieden. Denn der König, der sich geopfert hatte war ja auch das ganze Volk, er hatte die Aufgabe es zu leiten und indem er selbst diesen Pfad des Schicksals beschritt, führte er auch sein ganzes Volk dorthin. Das war es, das weder Die Monde noch der König selbst geahnt hatten, als er zu ihnen gekommen war um sein Leben zu geben. Viele Jahre lang war die Welt nun leer. Die Siedlungen in den Wäldern, die die Vögel einst errichteten verfielen, ihre Niederschriften verrotteten und ihre Zeichnungen wurden von wilden Tieren von den Felsen gescharrt oder von Moos überwachsen. Und über die ganze Welt verstreut lagen die Bruchstücke der Monde. Unkenntlich. Vergessen. Die beiden Steine, einer am Moor, einer im Gebirge, jeder beherbergte den Geist des Volkes der Vögel, regten sich nicht. Jahre vergingen. Die Bruchstücker der Monde versanken langsam in der Erde oder wurden überwuchert. Jahrzehnte vergingen. Kein Zeugnis von der Existenz des Vogelvolkes war übrig. Alle waren verrottet, vermodert oder verscharrt worden. Nach hunderten von Jahren regte sich der Geist der Vögel in dem Goldenen Stein. Denn in diesem war vor langer Zeit ein wenig mehr von dem alten König eingesunken. Die Vögel waren nun nicht mehr einzelne Geister sondern eine kollektive Erinnerung an die Zeit vor dem Krieg der Monde. Diese Erinnerung an das Verlangen nach einem neuen Volk, die Vision des gelben Mondes von einem Volk der Bergarbeiter und die immense Kraft der in dem Stein gefesselten Magie brachen sich einen Weg nach draußen frei. Der Stein zersplitterte und die drei Kräfte schwebten nach draußen in die Welt. Die Magie wurde mit einem unheimlichen Rauschen entfesselt und beseelte die Welt neu. Doch die Vision und der Geist des Volkes bemerkten bald, dass sie sich nicht auf einen Punkt konzentrieren konnten: Die Vision konnte zwar alles ausfüllen und sich jedem zeigen, doch sie konnte selbst nicht wahr werden. Der Geist des Volkes konnte zwar seine zerstörten Städte beweinen, aber er hatte keine Möglichkeit, sie wieder aufzubauen. Deshalb fuhren Vision und Geist in das nächstliegende, einen großen Felsbrocken. Da die Magie bereits die ganze Welt erfüllt hatte, war sie auch in diesem Felsen und sie formte ihn, wie die Vision des Mondes es zeigte und sie gab dem Geist des alten Volkes einen Platz, das neu geschaffene Wesen zu steuern. Als die Magie ihr Werk aber beendet hatte, vertrieb das Wesen, das sich selbst Zwerg nannte (das bedeutet soviel wie: Kind des Steins) Den Geist des Vogelvolkes in den Hintergrund um Platz für seinen eigenen Geist zu machen und vergrub die Vision in der hintersten Ecke seines Herzens, denn es hatte seine eigenen Visionen. Die Magie aber, die dem Zwerg unheimlich war, vertrieb es ganz und sie zog sich zurück. So entstand das Volk der Zwerge. Auch in dem anderen, makellosen Bruchstück brachen sich Magie, Geist und Vision des Makellosen einen Weg frei, allerdings erst ein oder zwei Jahrhunderte später, als die Zwerge schon eine zweite Generation hervorgebracht hatten. Dies war so, weil in dem Makellosen Bruchstück der kleinere Teil des alten Königs eingesunken war. Aber als auch hier die Zeit gekommen war, entschwebten die drei Kräfte nur durch ein winziges Loch im Stein, der auf diese Weise erhalten war. Die Magie aus diesem Stein wollte nun die Welt durchdringen, aber das hatte von langer Zeit ja schon die Magie aus dem ersten Stein getan. Da suchte die Magie etwas anderes in dem sie sich einnisten konnte und stieß auf die Bruchstücke des goldenen Mondes. Diese Stücke hatten die Zwerge zusammengetragen in der Hoffnung, sie eines Tages wieder zusammenfügen zu können, denn der Geist der Vögel hatte ihnen erzählt, was in jenen Tagen vor so langer Zeit geschehen war. Die Magie erfüllte den alten Mond nun mit all ihrer Kraft und die Stücke setzten sich wieder zu einem ganzen zusammen. Der Mond stieg zum Himmel auf und die Zwerge, die es sahen, vergaßen es nie. Es war ein Anblick von höchster Würde als der alte Herrscher der Welt wieder seinen Platz einnahm. Die Vision des Makellosen Mondes und der Geist des alten Volkes suchten nun auch einen Ort, um sich zu entfalten und schwebten über das Moor. plötzlich stieß die Vision auf einen winzigen Steinsplitter hinab. Er war blutrot und Makellos. Der Geist des Volkes eilte ihm nach und zusammen mit der Magie, die aus dem Stein der Zwerge entwichen war, formten sie ein Wesen, blutrot die Haut aber doch von einer solch unfassbaren Schönheit und Anmut dass sich ihm niemand entziehen konnte. Dieses Wesen ging listiger vor als die Zwerge. Es sog alles auf, was der Geist des Volkes ihm erzählen konnte und vertrieb ihn dann aus seinem Körper. Seither irrt er über dem Moor, immer auf der Suche nach etwas, in dem er sich entfalten kann. Mit der Magie verfuhr das Wesen genau so, aber für sie war es kein Problem sich zurückzuziehen. Die Vision des Mondes hatte alles aus einem Winkel des Körpers beobachtet und gerade als die Magie der Kreatur entwichen war und mit ihr ein Teil der inneren Kraft, überwältigte sie den Geist der Kreatur und unterdrückte ihn. Somit wurde die Vision des makellosen Mondes Wirklichkeit: Eine Kreatur voll Anmut, mit dem Makel der Blutgier. In der Sprache der Zwerge wurden sie Vampire genannt was ungefähr „Zerstörer des Lebens“ bedeutet. So entstanden die Vampire.

Das Jahrhundert der weinenden Berge

Lange Zeit lebten die beiden Völker friedlich zusammen, ohne voneinander zu wissen, und beide taten das, wozu sie geschaffen waren: Die Zwerge schürften Gold, und wo immer sie eine Ader im scheinbar undurchdringlichen Fels fanden, da gruben sie in unermüdlicher Arbeit Stollen um Stollen, Gang um Gang und nach und nach hatten sie unterirdische Wege von eier Seite der Berge zur anderen gegraben. Sie waren nie sehr zahlreich: Die Frauem gebaren nur wenige Kinder, aber sie hatten eine Lebensspanne von gut zwei Jahrhunderten und starben dennoch nicht geschwächt vom Alter sondern in einem zwar nicht vor Kraft strozenden aber doch rüstigen Zustand und bis zuletzt waren sie in den Bergwerken tätig und förderten Schätze zutage, von denen niemand sonst hätte träumen können. Ihre Hallen waren nocht mehr aus Granit, sondern mit gold verkleidet und ihre Teller und Schüsseln mit eingelassenen Rubinsplittern verziert. Ja, der Reichtum der Zwerge war groß, doch ihre Gier konnte nicht gestillt , ihre Laster nicht abgeworfen werden. Und so fing die Zeit an, die in ihren Geschichten noch immer mit schreckensbleichen Gesichtern als das Jahrhundert der weinenden Berge bekannt war. Die alten Stollen an den rändern des Gebirges in denen schon lang niemand mehr schürfte, waren brüchig und spröde Geworden, Tonnen von stützendem Gestein hatten die Zwerge herausgemeiselt und in die Täler gebracht, und nach und nach begannen diese Stollen unter Der Last der Zwergenhallen, die auf ihnen ruhten, einzustürzen. Erst schenkte dem niemand Beachtung: die ältesten Stollen lagen in zumeist unbewohnenten Gebieten, aber nach und nach sickerten Gerüchte durch, Gerüchte von ganzen Dörfern, die unwiederbringlich in den Bergen verschwanden, verschluckt von den erboßten Dämonen, die in ihrer schläfrigen Ruhe gestört worden waren. Doch den Vortlauf dieser Geschichte erzählt besser einer, der dabei gewesen ist. Tarngil war ein junger Zwerg am Hof des Königs aller Zwerge und er schreib auf, was er erlebte, als das Land versank.

Puh, war das kalt hier draußen. Ich zog meine Jacke enger um meine Schultern. Es war Winter, und hier, hoch oben in den Bergen bedeutete Winter monatelangen durchgehenden Frost bei Temperaturen, die mehr als eine Zumutung waren. Ich fragte mich einmal mehr worin die Götter die Notwendigkeit in einer derart lebensfeindlichen Jahreszeit gesehen hatten. Aber ich wusste, es lag nicht an mir, die Götter zu kritisieren, an keinem von uns. bibbernd hastete ich weiter über den Hof. Holz holen. Eine undanktbare Aufgabe, aber der Koch brauchte Holz um zu kochen, und das Holz lag nunmal in den Schuppen am anderen Ende des gigantischen Gebäudekomplexes den der König sein eigen nannte.

copyright Thomas Guttenberg 2009